Von 1910 bis heute – Ein geschichtlicher Rückblick

Die Ortsvereine Dürrbachtal, Lengfeld/Lindleinsmühle und Versbach fusionierten am 9.9.2015 zum OV Würzburg-NORD. Zur Vorsitzenden des neuen Ortsvereins wurde Jutta Henzler gewählt.

Damit bilden die Quartiere Oberdürrbach, Unterdürrbach, Dürrbachau, Lengfeld, Lindleinsmühle, Schwarzenberg und Versbach einen einzigen SPD-Ortverein, in dem alle Anliegen des Würzburger Nordens gebündelt sind.

Wie es in Lengfeld mit der SPD begann, können Sie im Folgenden nachlesen.

Herbst 1910

Im Gasthaus "Zum Engel", bekannter unter dem Namen "Förstersche Wirtschaft" [Herrnhofstr. 7, Anm.d.Red.], riefen einige in Lengfeld als Sozialdemokraten bekannte Arbeiter die Sektion Lengfeld ihrer Partei ins Leben. Zwar existieren hierüber keine Berichte, aber durch Namensvergleich und Datenabgleich, den Geschäftsbericht des Würzburger Parteisekretärs ROBERT KERN und aus Zeitungsnotizen des Frühjahrs 1911 muss geschlossen werden, dass die Gründung der Lengfelder sozialdemokratischen Sektion Ende November oder Anfang Dezember 1910 erfolgte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte aber die deutsche Arbeiterbewegung bereits eine 60jährige, ereignisreiche Geschichte vorzuweisen. Die Anfänge einer organisierten Sozialdemokratie gehen bis in die Revolutionsjahre 1848/49 zurück. In Würzburg entstand damals ein selbständiger "Bildungsverein für Arbeiter", der sich zu einem Mittelpunkt der noch in den Anfängen steckenden Arbeiterbewegung im süddeutschen Raum entwickeln sollte. So fungierte die aktive Würzburger Organisation seit Ende 1849 als Vorort aller bayerischen Arbeitervereine; der örtliche Würzburger Vereinsvorstand war gleichzeitig auch der bayerische Landesvorstand. Seit Februar 1850 gehörte der Würzburger Redakteur ANDREAS REUSS dem für ganz Deutschland zuständigen dreiköpfigen Zentralkomitee der "Arbeiterverbrüderung" an; seinen Sitz hatte es in Leipzig.

Der Sieg der Reaktion über die fortschrittlichen Kräfte löste im Frühjahr 1850 eine Verfolgungswelle gegen die Arbeitervereine aus. Ihre Führer wurden gemaßregelt, ihre Zeitungen zensiert und gar verboten; bei den Mitgliedern führte man Hausdurchsuchungen und auch Verhaftungen durch. Am 8. Juni 1850 schließlich wurde der Würzburger Arbeiterverein wie auch seine Ableger in Schweinfurt, Winterhausen und Ochsenfurt verboten. In der bis Anfang der sechziger Jahre dauernden Reaktionsperiode durften sich die Arbeiter höchstens zu unpolitischen Unterstützungskassen und geselligen Vereinen zusammenschließen; vielleicht ist hier der Ansatzpunkt zu suchen, dass sich in Lengfeld, wenn auch zeitlich später, ein "Raucherklub" der Arbeiter organisierte. Der Begriff "Arbeiter" beschränkte sich damals nicht nur auf die unserem heutigen Sprachgebrauch zugeordneten Industriearbeiter der großen Fabriken; vielmehr verstand man unter Arbeiter auch Handwerksgesellen wie Schuhmacher, Schreiner, Schriftsetzer, Bäcker, Wagner und Zigarrendreher sowie ungelernte Arbeiter. Die Bezeichnung "Arbeiter" wies also nicht auf die soziale Herkunft als vielmehr auf ihr verändertes Bewusstsein hin.

Im Mai 1863 gründete FERDINAND LASSALLE in Leipzig den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV). Unter der Leitung AUGUST BEBELs tagte im September 1868 in Nürnberg der Vereinstag des Verbandes Deutscher Arbeitervereine (VDAV), der mit den Lassalleanern wetteiferte. Die Delegierten bekannte sich zum Programm der von KARL MARX beeinflussten, seit 1864 bestehenden Internationalen Arbeiterassoziation (I. Internationale). Eine in Würzburg ins Leben gerufene Lokalorganisation des VDAV scheiterte schnell an der restriktiven Vereinsgesetzgebung. Die in der Stadt am Main vorerst erfolgreichen Mitglieder des ADAV entfalteten hingegen eine rege Aktivität. Nach der Konstituierung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) in Eisenach im August 1869 gewann die Bebel-Liebknechtsche Richtung auch in Würzburg gegenüber dem ADAV an Bedeutung. Bis zum Sommer 1870 mussten die Lassalleaner dort ihre Arbeit sogar völlig einstellen. Der Ausbruch des deutsch-französischen Krieges bedeutete für die noch unzureichend organisierte SDAP das vorläufige Ende ihrer Tätigkeit in Würzburg.

In der Nachkriegszeit

bemühten sich die Würzburger Sozialdemokraten um eine neue Organisationsform; schließlich wurde im März 1873 ein sozialdemokratischer Verein gegründet. Außerdem entstanden mehrere gewerkschaftliche Fachvereine, vor allem der der Würzburger Tabakarbeiter, dem auch einige Lengfelder angehörten. ADAV und SDAP schlossen sich im Mai 1875 auf dem Kongress in Gotha zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) zusammen. Als Lokalverband der neuen Partei bildete sich am 20. September des gleichen Jahres der "Wahlverein des arbeitenden Volkes im Reichstagswahlbezirk Würzburg", damals der einzige sozialdemokratische Stützpunkt mit Gewicht in Unterfranken. Bei den Reichstagswahlen von 1877 und 1878 erzielte dieser mit 11,5 Prozent und 11,8 Prozent der Stimmen weit über dem bayerischen Durchschnitt liegende Ergebnisse.

Das Sozialistengesetz, genauer das "Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" drängte die sozialdemokratische und gewerkschaftliche Arbeiterbewegung ab Oktober 1878 in die Illegalität. Der Würzburger "Wahlverein" und das lokale Parteiblatt wurden verboten, als erste gewerkschaftliche Organisation der Tabakarbeiterverband am 26. Oktober aufgelöst. Politische Arbeit im sozialdemokratischen Sinne fand, äußerst eingeschränkt, in den nächsten Jahren nur noch im Untergrund und verdeckt statt. Parteitreffen tarnte man als "Ausflüge" von Sänger-, Kegel- oder Rauchervereinen, die in wechselnden Gaststätten der Stadt oder bei sonntäglichen Ausflügen in die stadtnahen Gemeinden abgehalten wurden; so auch in der Lengfelder Rosenmühle.

Im Herbst 1890 fiel das Sozialistengesetz, und den Würzburger Sozialdemokraten wäre es bei den vorangegangenen Reichstagswahlen beinahe gelungen, dem Zentrum das hiesige Abgeordnetenmandat zu entreißen. Denn als Einzelpersonen durften Sozialdemokraten trotz des Sozialistengesetzes immerhin für den Reichstag kandidieren. Die Maßnahmen zur Ausschaltung der Arbeiterbewegung hatten sich - wie fast überall im Deutschen Reich - auch hier als ein Schlag ins Wasser erwiesen.

Der sozialdemokratische Parteitag von Halle beschloss im Oktober 1890 ein neues Organisationsstatut für die nunmehrige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD). Im folgenden Sommer riefen die örtlichen Genossen den "Sozialdemokratischen Agitations-Verein für den Wahlkreis Würzburg" ins Leben, der ab Januar 1892 den Namen "Sozialdemokratischer Wahlverein Würzburg" trug. Nach 1894 konnte dieser sich konsolidieren, und Anfang 1897 verzeichnete der Geschäftsführer des Wahlvereins bereits einen Mitgliederbestand von 288 Personen.

Seit dem in Würzburg abgehaltenen Landesparteitag der bayerischen Sozialdemokraten vom Oktober 1898 nannte sich die lokale Parteiorganisation "Sozialdemokratischer Verein Würzburgs". Das Verbot des formellen "Inverbindungtretens" politischer Vereine war inzwischen gefallen. Das Würzburger Gewerkschaftskartell richtete im Juli 1898 ein Arbeitersekretariat ein.

Einige Misserfolge hatten die Sozialdemokraten bei ihren Bemühungen zu verzeichnen, organisatorisch in das ländliche Umfeld der Stadt Würzburg vorzustoßen. Anfang der neunziger Jahre bestanden hier "nur wenige sozialdemokratische Wahlvereine, die sich außerdem noch als sehr instabil erwiesen". Ende 1890 und 1891 waren "in Versbach, Rimpar, Höchberg, Veitshöchheim und Waldbüttelbrunn SPD-Vereine gegründet worden, von denen jedoch - außer Veitshöchheim - alle wieder die Arbeit einstellten, sofern sie überhaupt eine registrierbare Aktivität entwickelt hatten. Auch in Heidingsfeld scheiterte der Versuch, sich zu verselbständigen: ein im April 1892 konstituierter Wahlverein musste schon bald wieder zur Parteiorganisation der Stadt Würzburg zurückkehren". (Klaus Schönhoven).

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts

vermochten die Sozialdemokraten auch ihre Landagitation wieder deutlich zu verstärken, so dass sich bis 1903 in Heidingsfeld und Versbach lebensfähige sozialdemokratische Gliederungen etablieren konnten. Ende 1904 besaßen im Wahlkreis Würzburg schon sieben Landorte einen eigenen sozialdemokratischen Verein. Aber noch gab es keinen sozialdemokratischen Verein in Lengfeld! Offensichtlich gelang es hier nicht, organisatorisch in das katholisch-konservative Milieu Lengfelds einzudringen, wie auch das Ergebnis der Reichstagswahl 1907 zeigt: Ganze 11 Stimmen aus Lengfeld erhielt der Würzburger SPD-Kandidat FRANZ SCHMITT, der wie 1903 dem Zentrumskandidaten Johann Thaler unterlegen war (117 Stimmen).

Anderenorts hatten sich um die Jahrhundertwende Sozialdemokraten schon längst in Arbeiterturnvereinen, Arbeitergesangvereinen und Arbeiterradfahrerbünden zusammengeschlossen, aus denen sich dann zumindest sozialdemokratische Wahlvereine konstituierten. Sozialdemokratische Frauenorganisationen allerdings traten in Deutschland erst in der zweiten Jahreshälfte 1908 in Erscheinung, nachdem das Reichsgesetz vom 15. Mai 1908 es nun auch Frauen gestattete, sich politisch zu betätigen und zu organisieren.

"Noch immer hatte die Kirche die überwiegende Mehrheit der Einheimischen ideologisch im Griff; politische Alternativen, von den Autoritäten verteufelt (Sozialdemokraten als "Sendboten der Hölle"), fanden nur langsam einen, allerdings zunehmend durch die Arbeitsverhältnisse geförderten Zugang in die Köpfe mancher Einheimischer." (Luise Then)

Mit dem noch vor der Jahrhundertwende gegründeten "Raucherklub Fidelia" hatten Lengfelder Arbeiter, von denen einige in der Zigarrenfabrik Schürer in Würzburg beschäftigt waren, aber doch die Basis für einen lockeren sozialdemokratischen Debattierclub geschaffen. Verkauften sie bei ihren wöchentlichen so getarnten Zusammenkünften (Sozialdemokraten galten ja damals noch als "Reichsfeinde" und "vaterlandslose Gesellen"!) in der "Försterschen Wirtschaft" einige ihrer "Rauchzigarren", Zigarren, die Teil des Wochenlohnes waren, an andere Gleichgesinnte, so bot sich in dieser sozialdemokratischen "Subkultur" endlich auch den Lengfelder Sozialdemokraten die Gelegenheit, sich durch Gründung einer Ortsgruppe ihrer Partei zu etablieren.

Mit der Herausgabe des Fränkischen Volksfreundes, einer täglich erscheinenden Arbeiterzeitung für den Würzburger Raum, gewannen die Sozialdemokraten ab Oktober 1908 mehr an Profil. Des weiteren richteten die Genossen ein Parteisekretariat ein, dessen Leitung ROBERT KERN übernahm. "Die Schöpfung eines Parteisekretariats war ein glücklicher Zug. Schon im nächsten Jahr wurden in Kirchheim und Kleinrinderfeld (....) lebensfähige Parteisektionen gegründet. Auch in Würzburg und anderen Orten ging es vorwärts und wir zählten am 1. Juli 1909 1108 Mitglieder gegen 836 im Vorjahre (...) 1909/10 wurden die Sektionen Reichenberg, Eisingen, Rottendorf neu errichtet, ebenso Waldbüttelbrunn (...). Der Jahresbericht konnte wieder einen Fortschritt konstatieren. Die Kreisorganisation war auf 14 Sektionen mit 1609 Mitgliedern (....) angewachsen. (...) Das nächste Geschäftsjahr schloss wiederum mit einer Steigerung der Mitgliederziffer um über 400 und der Gründung der Sektionen Zell, Unterdürrbach und Lengfeld ab." (Robert Kern)

Verkehrten also Sozialdemokraten kaum in der Gaststätte "Zum Hirschen", da sie als Vereinslokal des zentrumsfreundlichen (deutschen) Turnverein Lengfeld galt, so brachte die SPD-Sektion Lengfeld im Fränkischen Volksfreund offen ihre Sympathie für das Gasthaus "Zum Engel" zum Ausdruck, was vier Beispiele belegen mögen:

  • 12. Mai 1911:
    Lengfeld. Der Arbeiterschaft von Würzburg zur Kenntnis, dass der Fränkische Volksfreund in der Försterschen Wirtschaft aufliegt. Wir bitten dies bei Ausflügen usw. zu berücksichtigen.

  • 19. Mai 1911:
    Lengfeld. Am Samstagabend findet im Gasthaus von Förster Sektionsversammlung mit Vortrag statt. Vollzähliges Erscheinen wird erwartet.

  • 4. Juli 1911:
    Lengfeld. Der hiesigen Arbeiterschaft diene zur Kenntnis, dass der "Volksfreund" nur in der Wirtschaft "Zum Engel" aufliegt. Darauf wollen auch die Würzburger Genossen bei ihren Ausflügen streng achten.

  • 18. August 1911:
    Lengfeld. Kommenden Samstag abends halb 9 Uhr findet im Försterschen Gasthause unsere Sektionsversammlung statt. Wir ersuchen die Genossen, vollzählig zu erscheinen.

Die Reichstagswahl 1912

brachte den Sozialdemokraten in Lengfeld bei der Stichwahl immerhin 28 Stimmen, dem Zentrum 108. Im Reichstagswahlkreis Würzburg siegte der SPD-Kandidat FRANZ SCHMITT - dank der Mithilfe der Liberalen - über den Zentrumsabgeordneten Dr. Thaler. Ein schöner Erfolg für die regionalen Sozialdemokraten, die nun erstmals einen Vertreter in den Berliner Reichstag entsenden konnten.

Der Beginn des Ersten Weltkrieges allerdings vereitelte weitere Zusammenkünfte der Lengfelder Sozialdemokraten, was fünf Jahre lang das politische Agieren der hiesigen Arbeiterbewegung schier unmöglich machte.

Mit der militärischen Niederlage und dem Autoritätsverfall der alten Mächte des Kaiserreiches erstarkten die Arbeiterbewegungen wieder. Die Niederschlagung der Räterepublik im April 1919 machte den Weg frei für eine parlamentarische Orientierung der Arbeiterbewegung und das Blühen der Sozialdemokratie. So war teilweise das Anschwellen der sozialistischen Stimmen in vielen ländlichen Gebieten bei den Wahlen zum Bayerischen Landtag und zur verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung im Januar 1919 erklärlich. Selbst bei den Kommunalwahlen am 15. Juni 1919 wirkte dieser Trend fort. Aber auch die Herabsetzung des Wahlalters von 25 auf 20 Jahre, die Verleihung des Wahlrechts auf das Militär und vor allem die Ausdehnung des Wahlrechts auf die Frauen - die Wählerzahl hatte sich dadurch um 130 Prozent vermehrt - waren weitere Ursachen für sozialistische Stimmengewinne.

In Lengfeld, damals über 600 Einwohner zählend, ergab sich für die Wahlen des Jahres 1919 folgendes Bild: Bei den Landtagswahlen am 12. Januar erhielt die SPD 33,8 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen. Der Stimmenanteil bei der Wahl zur Nationalversammlung, die eine Woche später stattfand, konnte sich vermutlich bei einem Drittel für die Sozialdemokraten halten. Im Juni 1919 setzte sich bei den Kommunalwahlen die SPD allerdings mit 158 Stimmen gegen die Bayerische Volkspartei (Zentrum) in Lengfeld durch, die 155 Stimmen erhielt; beide Parteien, die von nun an bis 1933 das politische Geschehen des Ortes bestimmen sollten, erhielten je vier der acht Gemeinderatssitze zugesprochen.

Offenbar hatte sich während der Kriegsjahre auch bei Lengfelder Frauen ein politisches Bewusstsein entwickelt. Da immer mehr arbeitsfähige Männer einberufen worden waren, rückten an ihre Stellen in den Fabriken wie bei Koenig und Bauer und bei Noell, aber auch in der Druckerei Stürtz und in der Zigarrenfabrik Schürer Frauen, die anstelle des im Felde stehenden Mannes die Kinder ernähren mussten. "Die unter dem Existenzminimum liegenden Unterstützungszulagen von Reich und Gemeinde reichten dazu nicht aus" (Klaus Schäfer).

Auch ohne ganz gefestigte örtliche Parteistruktur konnte im Jahre 1919 die Lengfelder Sozialdemokraten einen so großartigen Erfolg erringen. Der "Raucherklub Fidelia", die Keimzelle der Lengfelder Sozialdemokratie, hatte sich mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges suspendiert und war nach dem Krieg nicht wieder aufgelebt. Am 10. Januar 1920 versammelten sich aber 15 Radler aus Lengfeld im alten Stammlokal der Sozialdemokraten, im Gasthaus "Zum Engel". Dort gründeten sie zusammen mit HANS HIMMER aus Versbach, seit 1910 als Vorsitzender des Arbeiterradvereins Würzburg und als "radfahrender Genosse" bekannt, die Ortsgruppe des Arbeiterradfahrerbundes "Solidarität". Vereinslokal wurde nunmehr das Gasthaus "Zum Stern"; der neue Wirt der "Försterschen Wirtschaft" galt nämlich als "erzkonservativ und reaktionär".

Bereits im Mai 1920 sprach man bei der Wahlversammlung zu den Reichs- und Landtagswahlen am 6. Juni 1920 mit FRITZ ENDRES, dem damaligen Würzburger SPD-Landtagsabgeordneten, wieder von der "sozialdemokratischen Sektion Lengfeld". Bis zum offiziellen Verbot der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands durch die Nationalsozialisten am 22. Juni 1933 war die Lengfelder Arbeiterbewegung organisiert. Der Lengfelder Genosse FRANZ SCHMITT war der letzte Vorkriegsvorsitzende. SPD-Vorstandsmitglied KARL MITNACHT wurde von den Nationalsozialisten auf der Festung Marienberg zu Würzburg für eine Woche in Haft genommen und dort schwerst misshandelt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges

trat die amerikanische Besatzungsmacht an KARL MITNACHT heran, das Amt des Bürgermeisters von Lengfeld zu übernehmen. Aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheitszustandes, bedingt durch Verfolgung, Misshandlung und Haft, lehnte er ab. Doch sammelte er 1946 die Genossen um sich, um mit der kommunalpolitischen Arbeit neu beginnen zu können. Bereits 1948 war die SPD in Lengfeld im freigewählten Gemeinderat, ähnlich wie nach dem Ersten Weltkrieg, mit der Hälfte der Gemeinderatssitze vertreten, allerdings auf der Liste der "Freien Wähler". Denn immer noch waren die 12jährige Diktatur der Nationalsozialisten und die Verfolgung Andersdenkender auch in Lengfeld nicht spurlos vorübergegangen. Bis 1963 fanden gar die Mitgliederversammlungen zumeist in Privatwohnungen statt, vor allem bei HERMANN MITNACHT. Mancher Genosse beobachtete nämlich den nahtlosen Übergang so mancher "brauner Ortskoryphäen" in dem Establishment der Nachkriegszeit mit ausgesprochenem Argwohn.

Am 1. Juli 1955 besuchte der damalige Würzburger Parteisekretär OSWALD WEBER im Vorfeld der Bürgermeisterwahl 1956 die Lengfelder Genossinnen und Genossen. Mit HERMANN MITNACHT lebte, auch nach außen hin Farbe bekennend, der SPD-Ortsverein Lengfeld erneut auf.

Text: Dr. phil. Peter Spitznagel

... und wer es weiter führte

Nach HERMANN MITNACHT führten folgende GenossInnen den SPD-Ortsverein:

  • 1973- ROLF BRANDENBURGER (zugleich Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, später Bezirksrat)
  • 1976- MARTIN POPP
  • 1978- DIETRICH REIMERS
  • 1984- Dr. phil. PETER SPITZNAGEL
  • 1995- HEINRICH JÜSTEL
  • 2001- MAJIDA HICKETHIER
  • 2011- Jutta Henzler (Lindleinsmühle)